Vegan werden, sein und bleiben
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Vegan werden, sein und bleiben

Ich bin jetzt ziemlich genau 120 Tage konsequent vegan. Mal ist es super easy, mal nicht. Oft mache ich mir die Probleme aber selbst. Damit dir das nicht passiert, bekommst du nun meinen Rückblick und kannst aus meinen Fehlern lernen.

Vegan? Ja nee, ist klar!

So ungefähr war meine Reaktion noch vor 2-3 Jahren. Ich hatte im Auslandssemester einige Kilos zugelegt, die sollten wieder runter. Ich googelte und landete irgendwie bei der Peta-Ernährungspyramide und dachte mir: geiler Scheiß, so nimmst du garantiert ab. Dabei hat mich wenig interessiert, was hinter diesem Begriff „vegan“ steckt. Entsprechend schlecht informiert und vorbereitet startete ich in meinen ersten veganen Ausflug.

Ich bin am verhungern!

Ich hatte keine Ahnung. Ich habe einfach alle tierischen Produkte aus meinem Speiseplan gestrichen. Und hatte dann natürlich Hunger. In diesen Momenten habe ich mich gefragt: wie soll ich das durchhalten? Wie KANN man das durchhalten? Sein jähes Ende fand das Experiment beim Konditor. Ich war so frustriert und ausgehungert und neben der Spur, dass mich ein fettes Stück Torte derart angelacht hat, dass ich es kaufen musste.

So viel also zu meinem ersten veganen Versuch.

Lektion für dich: Informieren, informieren, informieren! Und vor allem nicht einfach alles weglassen, sondern auch mal ersetzen. Damit mein ich jetzt nicht gleich das vegane Schnitzel. Aber du kannst dich nicht nur von trockenen Salatblättern ernähren.

Alles auf Anfang!

Ich habe nie oft Fleisch gegessen. Mal im Restaurant oder beim Grillen, aber so für mich alleine zuhause nie. Ich war aber auch nie Vegetarierin. Nachdem ich mich aufgrund verschiedener Verdauungsbeschwerden von Nahrungsmittelunverträglichkeitstest zu Nahrungsmittelunverträglichkeitstest geschleppt hatte, ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten, dachte ich mir: vegan ist die Lösung. Wie oft hatte ich gelesen, dass nach der Umstellung auf Vegan Beschwerde XY einfach weg ist.

Diesmal war ich besser vorbereitet: ich habe mir Rezepte rausgesucht und mich belesen. Und kam dann auch immer mehr dem ethischen Aspekt näher.

Aber so richtig konsequent wollte es nicht klappen. Ich war für 3 Monate bei einem Praktikum mit Kantinenessen. Vegetarisch ging dort, dann aber mit viel Sahne ertränkt oder wahlweise ein Berg Käse. Ich hatte wieder Verdauungsbeschwerden, aufgrund von Zeitdruck aber nicht jeden Abend Lust, vorzukochen. In dieser Zeit fiel aber der Entschluss: sobald das Praktikum rum ist, zieh ichs durch.

Lektion für dich: Es läuft nicht immer so wie geplant. Sei nicht zu streng mit dir. Und wenn es nur ein veganes Essen in der Woche ist. Besser, als nichts.

Vegan im neuen Jahr

Ab 01.01.2015 startete also meine vegane Reise. Ich war konsequent. Rückblickend vielleicht etwas ZU konsequent.

Ich bin ein „Alles oder Nichts“ Mensch. Also stellte ich nicht nur meine Ernährung um, ich stellte auch sämtliche Kosmetik, Schminke, Cremes und Co auf tierversuchsfrei und vegan um. Ich habe vegane Restaurants getestet, viel gekocht, Kuchen gebacken, war oft beim Sport und alles lief prima. Dann war ich mit dem Studium fertig und bekam einen Job in München. Also einmal quer durch Deutschland von Düsseldorf nach Bayern.

Vegan sein und dazu stehen

Ich hab mich nicht gleich getraut, zu meiner Ernährung zu stehen. Also habe ich vegetarisch gegessen – und mich innerlich geärgert. Es war alles neu, der Umzug, die neue Stadt, neue Menschen, neuer Job. Und vielleicht war ich einfach noch ein zu frischer Veganer. Jedenfalls konnte ich irgendwie nicht so, wie ich gern gewollt hätte. Aber es stand immer fest: ich will wieder zurück. Wieder vegan essen.

Lektion für dich: was andere Menschen über dich denken, kann dir eigentlich vollkommen egal sein, vor allem, wenn es sich um fremde Menschen handelt. Das ist viel leichter gesagt, als getan – weiß ich selbst. Du und ich sollten aber daran arbeiten.

Gesagt, getan: vegan sein und bleiben

Seit April kommt mir nichts Tierisches mehr auf den Teller. Okay, bis auf ein Versehen: ich habe Zwieback gekauft. Normalerweise kontrolliere ich immer (!) die Zutatenliste. Keine Ahnung, wieso ich es da nicht getan habe. Natürlich war Butter drin. Das habe ich allerdings erst gemerkt, nachdem ich bereits einiges davon gegessen hatte. Ich habe die Packung dann verschenkt. Und mich geärgert.

Ich kaufe keine Kosmetik, für die Tierversuche durchgeführt wurden oder die tierische Inhaltsstoffe haben.

Ich achte bei Putzmitteln darauf, nicht die volle Chemiekeule zu nehmen und nach Möglichkeit Firmen zu unterstützen, die „cruelty free“ sind.

Das Ganze geht noch weiter, hat vielleicht nicht unmittelbar etwas mit veganem Lebensstil zu tun, hängt für mich aber zusammen:

Ich kaufe so gut wie keine neuen Klamotten mehr. Ich habe genug (in jeglicher Hinsicht). Und wenn ich doch etwas brauche, dann versuche ich es Second Hand zu bekommen. Ich vermeide Plastik und versuche, nicht endlos Müll zu produzieren. In der Praxis bedeutet das: keine Wattepads mehr, stattdessen waschbare Tücher. Keine tausend Cremes mehr, sondern Kokosöl. Keine Tampons mehr, stattdessen Menstruationstassen (Die bekanntesten Anbieter findest du hier und hier).

Warum es doch manchmal nicht ganz so easy ist

Ich habe immer gedacht, dass Käse wohl am schwierigsten sein würde. Ist es nicht. Zumindest für mich nicht. Witzigerweise hab ich am meisten Bock auf Eier. Und ich habe seit ein paar Wochen Lust auf Lachs.

Aber weißt du was? Das ist in meinem Kopf. Ich habe meine Blutwerte checken lassen – alles okay. Also sagt mir mein Körper nicht: du hast einen Mangel! Wie groß die eigenen Erwartungen doch manchmal sind. Dabei ist es eigentlich logisch, dass du, nachdem du dein ganzes Leben lang Fleisch und Milchprodukte gegessen hast, nicht plötzlich vergisst, wie das alles geschmeckt hat. Dass du plötzlich mal eben so kein Verlangen mehr danach hast.

 

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1 Comment

  • Reply Sissy 29. Juli 2015 at 9:54

    Ich finde das richtig toll, dass du das jetzt so lange schon durchziehst und auch wirklich konsequent dabei bleibst. Ich merke jetzt schon, dass es mir am schwesten fällt wenn ich in Gesellschaft unterwegs bin und andere sich ‚einfach so‘ etwas vom Bäcker oder Pizzaladen kaufen und ich eben nicht. Aber was solls, ich weiß wieso ich es versuche und bin am Ende des Tages mächtig stolz, dass ich standhaft geblieben bin :)

    Ich möchte demnächst auch mal vegane Restaurants austesten und meinen Freund mitschleppen. Bin echt gespannt wie es ihm dort schmeckt. Zum Glück ist er mittlerweile offener dafür.

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