Tierversuche in der Kosmetik
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Tierversuche in der Kosmetik: muss das sein?

Lange Zeit wusste ich nicht, dass für Kosmetik Tierversuche durchgeführt werden. Ich war naiv, ich habe mich nie mit diesem Thema auseinandergesetzt und ging stark davon aus, dass nur Medikamente an Tieren getestet werden. Mit der veganen Ernährung kam dann auch die Einsicht, dass in jedem Lebensbereich Tiere ausgebeutet, gequält und benutzt werden. Für uns. Und auch noch völlig unnötig, denn an Alternativen mangelt es nicht.

Tierversuche in der Kosmetik – ein Überblick

Die gesetzliche Lage

Oft bekommt man zu hören, Tierversuche seien doch schon längst verboten. Ist also die ganze Aufregung umsonst? Ich fürchte nicht. Seit 1986 sind zwar in Deutschland Tierversuche an kosmetischen Endprodukten, die dekorativen Zwecken dienen, verboten, an pflegender Kosmetik wurden aber weiterhin Tierversuche durchgeführt. Seit 1998 hat sich das geändert und auch für pflegende Kosmetik dürfen keine Tierversuche mehr durchgeführt werden. Seit 2004 dürfen an keinen kosmetischen Endprodukten innerhalb der EU mehr Tierversuche durchgeführt werden, 2009 wurde dies dann erweitert und auf kosmetische Inhaltsstoffe ausgeweitet.

Seit dem 11. März 2013 ist in der EU der Verkauf und die Einfuhr von Kosmetikprodukten die an Tieren getestet wurden, sowie auch zur Herstellung von Kosmetikprodukten verwendete Rohstoffe die an Tieren getestet wurden verboten. Das Testen von Inhaltsstoffen und Bestandteilen ist mit Ausnahmen allerdings immer noch erlaubt. (Kosmetik-vegan.de)

Klingt doch super, oder?

Leider ist das Testen weiterhin erlaubt, sobald ein Inhaltsstoff oder ein Rohstoff unter das Chemikaliengesetz fällt. Du denkst jetzt vielleicht eher an Wandfarben oder Reinigungsmittel. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, denn kosmetische Inhaltsstoffe, die nicht ausschließlich für Kosmetika verwendet werden, dürfen weiterhin an Tieren getestet werden.

Und diese „Ausnahme“ beläuft sich auf 90%.

 

Welche Tierversuche in der Kosmetik sind üblich und gibt es überhaupt Alternativen?

  • Akute und chronische Giftigkeit (Toxizität)

Ratten oder Mäusen wird die zu testende Substanz per Magensonde verabreicht. Entweder einmalig, oder über einen längeren Zeitraum. Die Folgen sind Krämpfe, Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen. Die in-vitro Alternative, also Tests, die im Reagenzglas geschehen, sieht so aus: denen in einem Reagenzglas befindlichen menschlichen oder von Säugetieren stammenden Zellkulturen wird die Substanz zugegeben. Da die Zellen sehr empfindlich sind, sterben sie bei der Zugabe von giftigen Stoffen ab.

  • Hautreizungstest

Kaninchen wird die Substanz auf den geschorenen Körper aufgetragen. Daraus entstehen schmerzhafte Entzündungen. Es ginge auch anders: Die Substanz wird im Reagenzglas an isolierter menschlicher Haut oder Zellkulturen menschlicher Hautzellen überprüft.

  • Augen-/Schleimhautreizung

Auch diese Tests werden an Kaninchen durchgeführt. Ihnen wird die Substanz in die Augen geträufelt. Die Tiere leiden dadurch unter schmerzhaften Entzündungen oder Verätzungen der Augen. Es gibt hierzu eine alternative Testmethode, die ein bebrütetes Hühnerei verwendet. Wie ich das jetzt finden soll, weiß ich noch nicht.

  • Hautallergietest

Für diesen Test werden häufig Meerschweinchen verwendet. Ihnen wird die Substanz in die Haut gespritzt, um das Immunsystem zu aktivieren. Bei einer erneuten Spritze kann eine allergische Reaktion auftreten, die dann zu schmerzhaften Entzündungen führt.

  • Phototoxizität

Die schädigende Wirkung von Sonnenlicht wird an Ratten oder Meerschweinchen durchgeführt. Nachdem man ihnen die Substanz gespritzt hat, werden die Tiere in enge Röhren gesteckt, in denen sie sich nicht bewegen können. Dort werden sie dann stundenlang mit UV A-Licht bestrahlt.

  • Hautabsorptionstest

Der zu testende Stoff wird Ratten auf die Haut aufgetragen. Danach werden sie isoliert in Stoffwechselkäfigen gehalten, wo dann Harn-, Kot- und evtl. auch Blutproben der Tiere auf Vorhandensein der Testsubstanz untersucht werden. Diese Überpüfung könnte auch an menschlichen Hautproben stattfinden…

 

Sind Tierversuche in der Kosmetik überflüssig?

Tierversuche in der Kosmetik (und nicht nur da!) werden unter dem Deckmantel der Verbrauchersicherheit durchgeführt. Angeblich kann nur durch Tierversuche die Sicherheit und Unbedenklichkeit eines Produkts garantiert werden. Jedoch geht diese Rechnung nicht ganz auf, denn kein Tierversuch dieser Welt kann zu 100% auf den Menschen übertragen werden. Eine Garantie auf Verträglichkeit gibt es also auch mit Tierversuchen nicht.

Und wie kann es sein, dass trotz Tierversuchen in Kosmetika krebserregende Stoffe gefunden werden?

 

Auf welche Siegel du achten kannst

 

Humane Cosmetics Standard

Dieses international gültige Siegel mit dem „springenden Kaninchen“ Logo bedeutet für die entsprechenden Produkte: Es gibt einen vom Unternehmen gewählten, unveränderbaren Stichtag, seit dem das Unternehmen keine Tierversuche mehr durchführt oder in Auftrag gibt. Auch Zulieferer dürfen keine Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Nicht verboten sind jedoch Bestandteile von toten oder lebenden Tieren. Produkte mit diesem Siegel sind im Internet oder bei zertifizierten Unternehmen erhältlich. (www.vier-pfoten.de)

 

Internationaler Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik

Das Logo des Deutschen Tierschutzbundes auf den Produkten zeigt ein Kaninchen mit einer schützenden Hand. Für diese Produkte dürfen keine Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden. Die Unternehmen dürfen keine Verbindung zu anderen Unternehmen haben, die Tierversuche durchführen. Es dürfen keine Rohstoffe verwendet werden, die nach dem 1.1.1979 auf den Markt kamen und dementsprechend danach getestet wurden. Auch dürfen keine Bestandteile von getöteten oder gequälten Tieren verwendet werden. Diese Produkte gibt es im Internet oder bei Vertriebspartnern. (www.vier-pfoten.de)

 

BDIH

Bei diesem Siegel dürfen weder bei der Herstellung noch bei der Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden. Rohstoffe, die vor dem 1.1.1998 noch nicht im Markt vorhanden waren, dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie nicht im Tierversuch getestet worden sind. Der Einsatz von Stoffen, die von Tieren produziert werden (z.B. Milch, Honig), ist gestattet. Der Einsatz von Rohstoffen aus toten Wirbeltieren (z.B. Emuöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, Collagen und Frischzellen) ist nicht gestattet. Diese Produkte sind in Drogeriemärkten, Bioläden, Reformhäusern, im Internet oder bei Vertriebspartnern zu finden. (www.vier-pfoten.de)

 

Achtest du auf tierversuchsfreie Kosmetik? Erzähl es mir in den Kommentaren!

Zum Weiterlesen:
Ärzte gegen Tierversuche
Kosmetik-vegan.de

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2 Comments

  • Reply Tierversuche für Lebensmittel - grausame Geschäfte 26. August 2015 at 6:56

    […] soll ich sagen? Mich kotzt es an. Mich kotzen Tierversuche für Lebensmittel an, mich kotzen Tierversuche für Kosmetik an und ich bin gerade beim Schreiben dieses Artikels sehr frustriert und wütend. Kann ich denn nur […]

  • Reply Stephi 19. September 2015 at 14:30

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht. Ich lebe seit über 5 Jahren vegetarisch bzw. überwiegend vegan und achte auch darauf, Produkte von Firmen zu kaufen, die keine Tierversuche machen. Mich hat damals besonders erschreckt, dass nicht nur Kosmetik, sondern auch Reinigungsmittel, Zigaretten und sogar Batterien an Tieren getestet werden. Schlimm finde ich auch, dass Global Players wie Loreal, Nivea und Co. ganz groß mit dabei sind, wenn es um Tierversuche geht und die meisten Leute, das gar nicht wissen. Da hilft nur Aufklärungsarbeit.

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