Tiere im Zoo
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Tiere im Zoo – sind die nicht süß?

Als ich noch klein war, waren wir oft im Tierpark. Diese typische Art von Sonntagsausflügen. Das Streichelgehege war mir immer etwas suspekt, aber die Tiger und Bären fand ich klasse. Als Kind hab ich mich nie gefragt, ob das moralisch vertretbar ist oder wie sich die Tiere fühlen. Ich hab mich gefreut, dass sie so ruhig in der Ecke gelegen haben. Nur wenn sie apathisch im Kreis gelaufen sind hat mir das schon damals zu denken gegeben, aber ich war einfach zu jung um Zusammenhänge herzustellen.

Laut dem Verband der Zoologischen Gärten gibt es in Deutschland über 200 Zoos, Tier- und Wildparks. Hinzu kommen weitere 500 öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen, also Kleinzoos, Tiergehege, Vogelparks, Volieren, Reptilienzoos und Schauaquarien.

Bis gerade eben war auch ich mir nicht sicher, wie ich zu Zoos stehe. Es gibt einfach so viel auf beiden Seiten der Pro- und Contraliste. Dachte ich. Wie sich beim Lesen zahlreicher Artikel herausgestellt hat, kommt die Pro-Seite ziemlich kurz. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber lass uns doch die Argumente gemeinsam durchgehen:

Tiere im Zoo und nur wenig Pro

  • Zoos dienen als Wissensspeicher (die Frage ist halt, wieviel hängen bleibt…)
  • Zoos sind ein Fenster zur Natur – die Besucher lernen zahlreiche Tiere kennen und verstehen und entwickeln einen anderen Bezug zu ihnen, als wenn sie nur im Film über den Bildschirm hüpfen.
  • In Zoos konnten bereits bedrohte Arten nachgezüchtet und anschließend wieder ausgewildert werden – Beispiel: Przewalski-Pferde

… wahrscheinlich kannst du nach jedem Positiv-Punkt direkt ein aaaaber anschließen, oder? Geht mir inzwischen ähnlich. Deshalb nun die etwas längere Contra-Liste

So einiges spricht gegen Tiere im Zoo

  • Zoos sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen, weshalb oft besonders exotische und „tolle“ Tiere wie Delfine, Eisbären, Menschenaffen und Giraffen gezeigt werden, da sie mehr Menschen anziehen. Der Zweck eines Zoos ist nicht in erster Linie der Tierschutz, sondern die Unterhaltung von Menschen.
  • Zoos können den Tieren niemals gerecht werden. Delfine zum Beispiel leben in freier Wildbahn in Schulen mit bis zu 40 Tieren. In Gefangenschaft leben maximal 6 Tiere zusammen in einem Becken. Das Ergebnis sind dann oft Verhaltensstörungen.
  • Bei Schimpansen kam eine Studie zu dem Schluss, dass selbst bei Tieren, die in größeren Gehegen gehalten werden, Verhaltensstörungen auftreten. Diese reichen von Selbstverstümmelung, über extreme Zurückgezogenheit, bis zum ständigen Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers oder sogar bis zum Verzehr der eigenen Exkremente.
  • Ein Zoo kann also niemals die freie Wildbahn ersetzen.
  • Die wenigsten in den Zoos gezeigten Tiere haben ihren natürlichen Lebensraum in Europa. Das heißt, sie sind einem völlig anderen Klima ausgesetzt. Und selbst bei Tieren, die bereits in europäischen Zoos geboren wurden ist unklar, wie stark sie unter dem für sie unnatürlichen Klima leiden.
  • Um möglichst oft große Besucherströme anzuziehen, legen Zoos großen Wert darauf, jedes Jahr Nachwuchs zu haben. Das heißt, es werden kleine süße Tierbabies gezüchtet – für die Alten ist dann kein Platz mehr. Es gibt zwei Möglichkeiten um mit dem Platzmangel umzugehen: entweder werden die alten, aber noch gesunden Tiere getötet (ja, wirklich) oder sie werden an Tierhändler verkauft. Vor einiger Zeit ging ein solcher Tierhändler durch die Presse, der die Tiere dann an Tierversuchslabore, Exotenrestaurants und chinesische Zuchtfarmen verkauft hat. Und obwohl es bekannt war, hielten und halten Zoos – darunter auch München, Berlin, Duisburg und Dresden – weiter an diesen dubiosen Tierhändlern fest.
  • Zum Thema Wissensspeicher: wieviel ist das Wissen, sofern man es überhaupt über einen längeren Zeitraum behält, wert, wenn der Mensch das Tier überhaupt nicht in seinen natürlichen Verhaltensweisen beobachten kann?

Aber Zoos tragen doch zum Artenschutz bei!

Das ist ein sehr beliebtes Argument und auf den ersten Blick erscheint es auch schlüssig. Aber beim zweiten Blick beginnt die Fassade bereits zu bröckeln.

Viele der Tierarten, die bereits in Gefangenschaft geboren werden, können überhaupt nicht ausgewildert werden, da im Zoo ihre Instinkte aufgrund des unnatürlichen Lebenraums verkümmern. Ihnen fehlen zahlreiche elementare Verhaltensweisen, ohne die sie in freier Wildbahn nicht überleben können.

Warum also nicht die Tiere direkt in ihrem natürlichen Lebensraum schützen?

Der sogenannte Artenschutz in Gefangenschaft ist außerdem eine sehr egoistische Angelegenheit, da sie im Endeffekt nur dem Menschen nutzt, der zum Beispiel auf genetisches Material zurückgreifen kann.

Natürlich spenden auch Zoos oftmals (einen kleinen Bruchteil ihres Geldes) an Naturschutzprojekte. Dem gegenüber stehen allerdings insgesamt mehrere Duzend Millionen Euro, die sie an Subventionen aus städtischen Kassen erhalten.

Dieses Geld könnte sinnvollerweise auch direkt in den Erhalt des natürlichen Lebensraums bedrohter Tierarten fließen. Stattdessen aber investieren Zoos lieber in preisintensive Zuchtprogramme für Tierarten die NIE ausgewildert werden können.

Falls das alles noch nicht reicht: Artenschutz ist auch deshalb als Argument nichtig, da er nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Jeden Tag (!) sterben etwa 100 Tierarten aus – die so um den Artenschutz besorgten Zoos kümmern sich dabei aber äußerst selten um die tatsächlich stark bedrohten, aber eher „uncoolen“ Tierarten wie z.B. Lurche.

Aktuell hat mich dieser Vorfall sehr traurig gemacht. Ich möchte hier gar nicht urteilen, ob es wirklich nicht mehr möglich war, den Affen zu betäuben oder ob die zuständigen Personen vielleicht einfach in Panik geraten sind. Was ich aber durchaus sehr traurig finde ist, dass durch einen menschlichen Fehler (der vorkommen kann, aber nicht vorkommen darf) ein unschuldiges Tier getötet wurde. Ein Tier, das seinen Instinkten gefolgt ist.

Wie du sicher weißt, sind Menschenaffen äußerst intelligent. Und ich mag nicht daran denken, wie es dem zweiten Affen jetzt geht. Wieder hinter Gittern, aber allein.

Nein, ich habe keine Lösung parat, wie die Situation anders hätte ausgehen können. Aber es lässt die Institution Zoo auch nicht gerade positiv dastehen.

Es ist ein wirklich unerschöpfliches Thema und wahrscheinlich kratzen diese Argumente auch nur an der Oberfläche. Falls du noch weiterlesen willst, dann findest du hier ein paar Artikel:

Endstation Zoo
Ausführliche Zoo-Kritik bei Peta

Und jetzt interessiert mich:

Gehst du noch in Zoos?
Wie stehst du zur Zoo-Debatte?
Findest du, dass Tiere im Zoo zumindest halbwegs artgerecht gehalten werden können?

 

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