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Hintergrund

Bananen, Kaffee und Kakao–Die Bedeutung von Fairtrade

Da ist man nun Veganerin und kauft Bananen und wird prompt immer wieder darauf angesprochen, ob man das denn ethisch vertreten könne, Exportware zu konsumieren. Bis vor wenigen Stunden hätte ich noch JA gesagt, nun sehe ich das etwas anders, aber lest selbst…

Die Banane

…ein von mir gern gekauftes Obst. Und offensichtlich bin ich damit nicht allein, denn die Banane ist die Nummer 1 unter den globalen Exportfrüchten. Damit ist sie Existenzgrundlage für mehrere hunderttausend Bauernfamilien und Beschäftigte auf den Plantagen. Diese sind stark abhängig von einer guten Ernte. Ihre Existenz wird durch die niedrigen Exportpreise, die schwankenden Weltmarktpreise, den Preis- und Wettbewerbsdruck sowie durch die starke Machtkonzentration auf nur wenige Unternehmen in der Lieferkette bedroht. Daraus folgen nicht nur prekäre Arbeitsbedingungen und unangemessene Löhne in den Anbauländern sondern auch Umweltbelastungen durch den Einsatz von Pestiziden. Planungssicherheit? Davon kann keine Rede sein.

Kaffee

Ich war nie ein großer Kaffeetrinker, doch nachdem ich Espresso für mich entdeckte, ist das Thema nun auch für mich wichtig.

Auch beim Kaffee stehen die Produzenten unter einem enormen Druck. Die schwankenden Weltmarktpreise zwingen sie dazu, günstig zu produzieren, um weiterhin bestehen zu können. Dabei ist (neben noch vielen anderen Dingen) besonders problematisch, dass die Früchte per Hand gepflückt werden. Die Kaffeepflanzen werden aber mit giftigen Pestiziden behandelt, weshalb die Arbeiter auf den Plantagen eigentlich Schutzkleidung tragen müssten. Und nun das große ABER: die meisten davon sind Analphabeten und können die Warnhinweise auf den Kanistern gar nicht lesen. Und selbst wenn sie es könnten: eine entsprechende Schutzausrüstung wäre für die Bauern unbezahlbar.

Kakao

Die unschöne Tatsache, dass es auf dieser Erde immer noch zuhauf Kinderarbeit gibt, beweist der Kakaoanbau eindrucksvoll. Allein in Ghana und an der Elfenbeinküste (=Hauptanbaugebiete) arbeiten 2 Millionen (!) Kinder auf den Plantagen. Für unsere Schokolade. Für unseren Trinkkakao. Für unseren Backkakao. Dabei kommen sie mit giftigen Chemikalien in Kontakt, müssen schwere Säcke tragen und haben keinen Zugang zu Schulbildung. Auch hier sind die gesundheitlichen und körperlichen Belastungen enorm: der Anbau und die Ernte erfolgen meist in Handarbeit mit einer scharfen Machete. Tiefe Schnittverletzungen bleiben da nicht aus, allerdings fehlt es an einer entsprechenden medizinischen Versorgung. Zudem führt der Einsatz von Pestiziden zu Haut- und Atemwegserkrankungen.

Und was hat das nun mit Fairtrade zu tun?

Fairtrade hat das Ziel, die Bauern sowie die Arbeiter zu stärken und verfolgt dabei bestimmte Standards:

1. fester Mindestpreis, der die Kosten einer nachhaltigen Produktion deckt (falls der Marktpreis höher liegt, dann erhalten die Produzenten den höheren Preis)
2. keine Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit (Fairtrade ist sich bewusst, dass das Einkommen der Kinder für sehr viele Familien lebensnotwendig ist und akzeptiert dies unter der Bedingung, dass diese Kinder neben ihrer Tätigkeit zur Schule gehen können und die Bildung nicht unter der Arbeit leidet. Unter ausbeuterischer Kinderarbeit versteht Fairtrade eine Arbeit, die die Schulbildung beeinträchtigt und die seelische und körperliche Gesundheit gefährdet.)
3. Diskriminierungsverbot (z.B. gleiche Rechte für Männer und Frauen, Mutterschutz, HIV-Prävention)
4. Aufschlag für biologisch angebaute Produkte

Die Produzentenorganisationen sind gleichberechtigte Teilhaber am Fairtrade System und haben in wichtigen Entscheidungsgremien und internationalen Komitees 50% Stimmenanteil.

Was bringt Fairtrade?

1. höhere und stabilere Einkommen für die Kleinbauern in den Fairtrade Kooperationen
2. die Bauern können sich und ihre Anliegen in Entscheidungsprozesse einbringen
3. durch ein gemeinsames Auftreten verstärkt sich ihre Verhandlungsposition
4. durch Investitionen in die lokale Infrastruktur verbessert sich das Bildungs- und Gesundheitswesen, da Einrichtungen besser und leichter erreicht werden können
5. auf Fairtrade-Plantagen arbeiten mehr Festangestellte als auf nichtzertifizierten Plantagen, auf denen oft Tagelöhner ohne Sozialversicherungs- und Kündigungsschutz arbeiten

Was bedeutet das jetzt alles?

Für mich bedeutet es definitiv, bewusster einzukaufen. Kakao und Kaffee nur noch Fairtrade. Bei Bananen hapere ich mit meiner Bequemlichkeit, denn mein Obst-und-Gemüse Laden hat seltenst Fairtrade Bananen und extra nur wegen Bananen zu Aldi und Co? Vielleicht sollte ich aber einfach meine Prioritäten überdenken. Was sind schon zwei Schritte mehr, nachdem, was ich jetzt weiß?

Fairtrade ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sollte man sich weiterhin fragen, ob es nicht generell sinnvoll wäre, auf exotische Früchte wie Bananen, Ananas, Mango etc. weitestgehend zu verzichten. Und bei Kakao und Kaffee? Lieber mal mehr Geld in die Hand nehmen. Wir, die es uns leisten können, wenn wir nur die Prioritäten anders setzen. Denn was sind schon die paar Euro mehr im Vergleich zu dem Leben, was die Bauern in den Anbauländern führen müssen?

Zum Weiterlesen:
Fairtrade Deutschland
Deutschlandfunk zum Thema Kakao

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